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Er würde niemals Seehunde jagen, obwohl es sein Amt ist – und auch zur Waffe greift er nur in den allerseltensten
Fällen, obwohl er sie immer dabeihaben muss.
Günter Jensen ist der Seehundjäger von St. Peter-Ording, ein Nebenjob, der viel Zeit kostet und den er um keinen Preis der Welt missen möchte.
Gut 400 Stunden ist Günter Jensen pro Jahr als Seehundjäger unterwegs. Ehrenamtlich natürlich. Er erhält zwar eine Aufwandsentschädigung pro Einsatz und eine Pauschale für den Transport von Heulern aber das reicht übers Jahr gerade mal für die Spritkosten. Nein, Seehundjäger ist eine Leidenschaft und die hat Günter Jensen gepackt. Im Winter heißt es meistens warten, bis Eis und Schnee verschwunden sind. In eisfreien Wintern legt sich aber auch schon mal gern ein Seehund auf dem Strand ab. Meistens will er sich nach seiner anstrengenden Jagd einfach nur ausruhen. Denn Seehunde, so Günter Jensen, sind Marathonschwimmer: „Ein Seehund geht oft drei Tage ohne Pause auf Fischfang; und dabei schwimmt er bis zu 70 km auf das Meer hinaus. Das wissen wir aus den telemetrischen Daten der Sender, die manche Seehunde tragen“, sagt der Ordinger Seehundexperte.
Trotzdem sind Spaziergänger oft besorgt, wenn plötzlich ein Seehund vor ihnen im Sand liegt. Kein Grund zur Panik, am besten die Strandaufsicht benachrichtigen oder außerhalb der Saison bei Günter Jensen anrufen. Der kümmert sich dann um den „Gestrandeten“ und weiß am besten, ob er nur „Fofftein“ macht oder vielleicht Hilfe braucht. Richtig stressig wird es für den passionierten Jäger Jensen in der Seehundsaison, ab Mai, wenn die Seehunde ihren Nachwuchs gebären. Dann ist er ständig in Rufbereitschaft, wenn Touristen über die Polizei oder die Rettungsschwimmer Seehundfunde melden. Meist handelt es sich dabei dann um die so genannten Heuler, von ihren Müttern aus den verschiedensten Gründen getrennte Jungen. „Einen Heuler zu holen, ist immer etwas Besonderes. Die Jungtiere sind besonders niedlich und sehr zutraulich“, sagt der Tierfreund und bekommt glänzende Augen. Die Heuler werden ganz vorsichtig in spezielle Transportkisten geladen und auf einem Außengepäckträger hinten an Jensens Allradwagen nach Friedrichskoog in die Seehundaufzuchtstation gefahren.
Das ist keine Tierquälerei sondern pure Sorgfalt. „Die Heuler sind kaltes Wasser gewohnt. Innen im Auto würden die kleinen Seehunde einen Hitzschlag bekommen und an Kreislaufversagen sterben“ so der Experte. Am meisten reizt ihn an seinem Job die Forschung, in die er aktiv eingebunden ist.Dafür fängt er und gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftlern und Tierärzten Seehunde mit speziellen Netzen, vermisst sie und rüstet sie mit Telemetriesendern aus, mit denen die verschiedensten Daten gewonnen werden.
So um die 10.000 Seehunde gibt es im nordfriesischen Wattenmeer. Das weiß Günter Jensen ziemlich genau. Die Populationen werden fünfmal im Jahr per Flugzeug gezählt. Jedes Jahr werden ca. 2.000 Junge geboren – und längst nicht alle kommen durch. 15 - 20% der Jungtiere überleben die ersten Monate nicht. Und viele der kleinen Toten werden im Juli und August an den Strand gespült. Dann muss Günter Jensen schon früh morgens raus, um den Strand von den Kadavern zu säubern. Aber auch während des Tages ist er in der Saison oft unterwegs, wenn er gerufen wird. Denn auch ausgewachsene Tiere treiben an den Strand – und manchmal, ganz selten, muss er auch schwerkranken oder schwerverletzten Tieren den Gnadenschuss geben. Dann fährt er auch mal mit zur Sektion der toten Seehunde, um zu erfahren, woran sie gestorben sind. Umfangreiches Wissen über seine Schützlinge ist seine beste Waffe als Seehundjäger. Regel mäßige Fortbildungen sind Pflicht und auch der enge Kontakt zu Forschung und Wissenschaft ist für ihn selbstverständlich. Der gerade 60 Jahre alt gewordene Günter Jensen ist seit 1988 einer von zwei Seehundjägern auf Eiderstedt. Sein Bezirk reicht vom Tümlauer Koog bis nach Ehstensiel.
Ans Aufhören denkt Jensen nicht, und Gott sei Dank gibt es keine Altersgrenze für Seehundjäger.
Denn Günter Jensen würde seine Arbeit sehr vermissen.